Das Leben in der Künstlerkolonie Ahrenshoop war weniger organisiert, als man es später vermutete. Es gab keine Programme, keine gemeinsamen Manifeste, keine einheitliche Stilrichtung. Was die Künstler verband, war der Alltag auf kurz zu erreichenden Wegen, das Arbeiten im Freien, das Warten auf Licht, das Gehen derselben Wege.
Paul Müller-Kaempffs Haus wurde zu einem der zentralen Treffpunkte. Dort wurde diskutiert, gestritten und geplant. Zeitgenössische Berichte sprechen von langen Abenden voller Gespräche über Kunst, Landschaft und die Frage, wie viel Realität ein Bild verträgt. Andere, wie Elisabeth von Eicken, zogen sich bewusst zurück und arbeiteten allein. Die Fischer sahen sie oft früh morgens am Weststrand oder fernab des Dorfes.
Die Künstler lebten mitten im Ort. Sie kannten die Fischer, Bauern und Dorfbewohner. Friedrich Wachenhusen etwa galt als genauer Beobachter des Alltags; er hörte zu, bevor er malte. Anna Gerresheim arbeitete oft in den Gärten und Übergangszonen nahe der Dorfstraße, überzeugt davon, dass Genauigkeit nicht von Entfernung abhängt. Hugo Richter-Lefensdorf verbrachte Stunden am Boddenufer, ohne den Pinsel zu heben, Geduld war Teil seiner Methode, während andere schon mehrere Studien unterm Arm nach Hause trugen.
Um 1900 war Ahrenshoop als Künstlerkolonie bekannt. Ausstellungen machten den Ort überregional sichtbar, und zugleich begannen sich erste Gäste für das „Künstlerdorf am Meer“ zu interessieren.